Warum Konfiguratoren nicht gleich Konfiguratoren sind

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Es gibt sie überall. Produktkonfiguratoren. In allen Formen und Farben tauchen sie auf. Egal ob man sich einen Porsche 911 online konfiguriert oder direkt im Anschluss darauf den perfekten Finanzierungsplan zusammenklickt oder direkt darauf den Opel Corsa in der Traumfarbe, dem 1l Motor und einem gewissen Kompromiss in den Warenkorb legt.

Händler jeglicher Branchen folgen hier dem Drang des Konsumenten nach Selbstverwirklichung. Dass selbst zusammengestellte Produkt erhebt sich über die Masse. Es spiegelt nicht nur eine Kaufentscheidung, sondern auch die eigene Kreativität des Käufers wieder. Umso einzigartiger die Konfigurationsmöglichkeiten, desto freudiger der Besucher der Website bei der Suche nach seinem Produkt. Zumindest möchte man das meinen und aus Sicht des Konsumenten mag dies sogar so sein. Doch in der kommerziellen Welt der Online-Shops gelten andere Regeln.

Bleiben wir beim Autobeispiel: Die Konfiguration eines Autos in allen Details, aber insbesondere der äußeren Erscheinung ist vielen gar nicht durch die Webseiten der Auto Hersteller bekannt, sondern durch eine ganz andere Welt, der der Unterhaltungsmedien – genauer gesagt die Welt der Videospiele. Spätestens mit der bekannten Need For Speed Reihe verbrachten tausende Jugendliche und Erwachsene Stunden nur damit sportliche Flitzer zu gestalten. Felgen wurden ausgesucht, Farben geändert, Heckspoiler montiert und neue Scheinwerfer eingesetzt.

Doch nicht nur das, noch viel detaillierter ging es einher. Von bunten Rallyestreifen bis zum Aufkleber verzierten Meisterwerk waren der Kreativität der Gestaltung keine Grenzen gesetzt. Am Ende konnte man das Gefährt dann durch die Pixel des Spiels lenken, den neuen Effektlack im Blaulicht der Polizei begutachten und das Ergebnis mit Freunden und anderen Spielbegeisterten teilen. Der große Spaß blieb aber für viele die Konfiguration des Autos.

Heute gibt es wie schon beschrieben auch bei dem realen Autokauf kaum noch eine Marke, die keinen Online-Konfigurator anbietet. Konfiguriert werden kann alles, was serienmäßig möglich ist. Bei den Gestaltungsmöglichkeiten ist man somit deutlich eingeschränkter, als bei den Videospiel Pendants. Verständlich, da die Hersteller natürlich nur Optionen anbieten möchten, die von Werk aus möglich sind. Doch auch für die Individualisier-Begeisterten gibt es in der Automobil-Industrie Abhilfe. Folierungstechniken ermöglichen die freie Gestaltung des Autos ohne Lackierung.

Ein Konfigurator im Stile von Need For Speed sollte also ein durschlagender Erfolg sein. Doch hier kommen wir zum erwähnten Problem der Produkt-Konfiguratoren. Das (heimliche) Ziel eines Produkt-Konfigurators ist nämlich weder für den Nutzer noch für Anbieter die Konfiguration als solches, sondern der Verkauf bzw. Erwerb des Produktes.

Perfektionismus. Dieses Wort sorgt unter anderem bei Anbietern von Individual-Produkten für Angst und Schrecken. Anders als in der Videospiel-Welt verbirgt sich hinter den realen Konfiguratoren nämlich immer ein monetärer Wert. Am Ende zahlt der Kunde für das Endprodukt und am Ende verdient auch der Anbieter des Konfigurators nur am Verkauf eben jenes Produktes. Was bedeutet das aber für einen Hersteller individualisierbarer Produkte, der diese seinen Kunden online anbieten möchte? Immer das Ziel im Auge behalten!

Es mag verblüffend klingen, aber der schönste und aufwendigste Konfigurator macht keinen Nutzer glücklich, wenn das greifbare Ziel, also das Endprodukt, nicht erreicht wird. Hier kann der Perfektionismus des online Surfenden ebenso störend sein wie fehlende Zeit oder Kreativität. Der Weg ist das Ziel, zählt hier nicht. Während einem Videospiel gerne Zeit zugewendet wird und ein unvollständiges Design stets später verbessert oder zurückgesetzt werden kann, funktioniert dies bei einem Folierungskonfigurator nicht so einfach.

Ein komplett individuelles Folienset kostet locker ein paar tausend Euro. Das Geld will gut investiert sein und doch ist die eingeplante Zeit für die Gestaltung eher rar. Ein Online-Konfigurator mit zig Millionen Möglichkeiten mag zwar Nutzer anziehen, aber wirklich niemand will diese Möglichkeiten ausschöpfen.

Wenn also die Umsetzung eines Produkt-Konfigurators geplant wird, sind drei kundenzentrierte Fragen zu beantworten. Was will der Standard-Kunde? Was will der “Kreativ”-Kunde? Wie kommen beide Kunden schnellstmöglich zum Ziel? Die ersten beiden Fragen setzen hierbei auf Hintergrundwissen über den Markt und die Zielgruppe. Für einen guten Konfigurator ist dieses Wissen unausweichlich. Die Beantwortung der letzten Frage ergibt schließlich die Struktur und die Benutzeroberfläche des Konfigurators und erschließt sich aus den ersten beiden Antworten.

Lassen sie uns versuchen diese Fragen für einen Folierungskonfigurator zu beantworten.

Was will der Standard-Kunde?

Der übliche Verdächtige möchte sein Auto verschönern ohne Lackiererei. Rallye-Streifen und gängige Muster sind gern gesehen. Das Endprodukt sollte dennoch eine persönliche Handschrift tragen. Der eigene Name oder die Lieblingsnummer in Rennwagenmanier aufgepinselt reichen häufig aus.

Was will der “Kreativ”-Kunde?

Der kreative Kunde verbringt wie vor den Videospielen Stunden bei der Konfiguration. Er möchte, dass das Werk am Ende unverkennbar seine Handschrift trägt. Es soll einzigartig sein und sich durch mehr als nur die Farbe oder Nummer/Namen unterscheiden.

Wie kommen beide Kunden schnellstmöglich und frustfrei zum Ziel?

Für den Standard-Kunden sollte es eine Bibliothek an Voreinstellungen geben. Die Kreativität Anderer bildet dann die Grundlage für die Konfiguration des Kunden. Der gewisse Touch, den auch der Standard-Kunde verlangt, sollte durch einfach zu bedienende und schnell erreichbar Elemente ermöglicht werden. Schnellfunktionen verstecken die unzähligen Konfigurationsmöglichkeiten in verschachtelten Menüs. So wird zum Beispiel ein sofort ersichtliches Feld für die Platzierung einer Nummer genutzt. Schriftart und Farbe können noch als weitere Parameter angeboten werden. Der Kunde wird nicht erschlagen und kommt schnell zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

Der Kreativ-Kunde nutzt die verschachtelten Menüs um seinem erfinderischen Geist freien Lauf zu lassen. Kein Design sollte einem anderen gleichen. Für die Freude dieses Kunden müssen Funktionen wie Speichern und Laden von Konfigurationen bereitgestellt werden.

Das gilt zumindest in diesem Fall und gewisse Grundregeln gibt es sicherlich auch branchenübergreifend. Doch letztlich ist der Aufbau von Konfiguratoren mindestens genau so individuell wie das später konfigurierte Produkt. Die Zielgruppen je individualisierbarem Gut haben unterschiedliche Interessen; kommen aus unterschiedlichen digitalen Generationen. Die Produkte selbst haben unterschiedliche Schwerpunkte bei der Konfiguration. Während wir hier von einem stark visuellen Konfigurator reden, kommt ein Produktkonfigurator für ein finanzielles Produkt wie einen Kredit gänzlich unspektakulär daher.

Ein Logo und seinen Namen will niemand auf solch einem Produkt platzieren und doch soll auch der Kredit am Ende die individuelle Handschrift des Nutzers tragen. Die meisten anderen Konfiguratoren, schon existent oder noch in Planung, befinden sich irgendwo zwischen diesen beiden Welten. Am Ende haben unsere Erfahrungen aber immer eins gezeigt. Konfigurator ist nicht gleich Konfigurator.

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