Versetzt am Feiertag

30. Juni 2015, 12:40 Uhr Geschrieben von Leave your thoughts

Ich hatte alles bis ins kleinste Detail geplant. Da bin ich penibel. Alles war blitzblank geputzt, mein Körbchen von Staub, Haaren und Essensresten befreit, der Willkommens-Kauknochen an einem sicheren Ort verwahrt und in Position. Es gab einen frischen Wassernapf. Irgendwer sprach sogar davon, eine Kuscheldecke mitzubringen und neben mein Körbchen zu legen.

An Tagen wie diesen

Ich war so gespannt! Wochenlang habe ich darauf gewartet, dass es endlich soweit ist: Freitag. Aber nicht irgendein Freitag, sondern der Bring-deinen-Hund-mit-zur-Arbeit-Freitag. Der war letzte Woche. Und ich glaube, Ihnen in dieser Kolumne von meinem bisher traurigsten Tag erzählen zu müssen. Nix mit Toben im Konfettiregen.

Wissen Sie, ich hatte vor, diesen Tag wirklich ausgiebig zu feiern. Ein Büro ist auf Dauer für einen Einzelhund ziemlich öde. Und da war ich umso erstaunter, als ich vor Kurzem vom oben genannten Feiertag erfuhr. Der ist in den USA in aller Munde, aber auch in Deutschland findet er manchmal Anwendung. Als dann die Mädchen aus meinem Büro sagten, jemand wolle seinen Hund mitbringen, war ich komplett aus dem Häuschen! Ich hatte auch schon Arturo (Sie erinnern sich: Der charmante Frenchie aus dem Nebenbüro) eine Einladung zukommen lassen, dann hätten wir eine richtige Sause haben können. Ich hatte sogar drei kleine Partyhüte besorgt.

Eine neue Freundin!

Aber, Sie ahnen es sicher, man hat mich betrogen. Übers Ohr gehauen. Verarscht. Ich bin richtig sauer. Oder warten Sie, eigentlich bin ich traurig. Ich wollte eine richtig schöne neue Bekanntschaft machen. Und die Voraussetzungen hörten sich himmlisch an: Angekündigt hatte sich Lucy, die – genau wie ich – 11 Jahre auf dem felligen Buckel hat und deshalb super geeignet für einen Alte-Lady-Tratsch gewesen wäre. Ich hab meine Öhrchen gespitzt, als über ihr Kommen gesprochen wurde, und deshalb einiges in Erfahrung bringen können.11657375_850069651736537_161159094_n

  1. Lucy ist ein kleiner Tyrann und muss immer das Sagen haben.
  2. Sie ist ein Jack-Russel, juhu! Genau wie ich! (Naja, halb.)
  3. Sie hat zwei außergewöhnlich niedliche braune Punkte auf dem Rücken.
  4. Sie mag gerne Kauknochen. (Dafür hatte ich vorgesorgt.) Und Leberwurst, aber die hatten wir nicht im Haus.
  5. Außerdem liebt sie es, in der Sonne zu liegen und sich zu sonnen. Manche bezeichnen das auch als braten.

Pustekuchen

So top-informiert über meine eventuelle neue Freundin machte ich mich an die Vorbereitungen. Was beinhaltet, meine Menschen mit den Dingen zu beauftragen, die ich oben schon angedeutet hatte. Beim ganzen Vorbreiten habe ich natürlich keine Kralle gerührt, das ziemt sich nicht für eine Dame.

Der Schock stellte sich Freitag erst nach und nach ein. Ich hatte bis zum Ende gehofft, dass sie einfach gerne mal zu spät kommt. Dann hatte ich Sorge, sie wäre in einen Unfall verwickelt gewesen. Wissen Sie, kleine Hunde sieht man manchmal so furchtbar schlecht. Mir wurde Angst und Bange. Bis ich irgendwann erfuhr, dass sie mich versetzt hatte. Sie war einfach nicht gekommen. Sie hatte den offiziellen Anlass verpasst, meine heiligen Räume und meinen heiligen Arturo kennen zu lernen. Ich finde, sie ist eine doofe Kuh.

Dass ich vergessen habe, ihr eine Einladung zu schicken, kann man keinesfalls als Einwand vorbringen. In diesem Sinne,
Ihre Fritzi.

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Ein Beitrag von Thomas Barwinski

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