Die Unendlichkeit der Dinge

16. Juni 2015, 10:48 Uhr Geschrieben von Leave your thoughts

Manchmal habe ich Denkeritis. Keine Sorge, das ist weder eine tödliche Krankheit noch ansteckend; sie entnehmen dem Namen bestimmt schon auf den ersten Blick, dass ich ihn mir ausgedacht habe. Er beschreibt einen Zustand der Entspannung, in welchem mir ganz plötzlich sehr beunruhigende und philosophisch anspruchsvolle Gedanken kommen. Dann frage ich mich, was wohl hinter der nächsten Tür, dem angrenzenden Gebäude; generell, was außerhalb meiner gewohnten Bahnen liegt. Diese Frage ist für mich sehr wichtig. Was verbirgt sich an diesen Orten?

Wenn meine Menschen mich zurückrufen, sobald ich mich zu weit von Ihnen entferne, oder wenn meine Größe nicht ausreicht, um hinter den nächsten Zaun zu blicken, dann bin ich zugleich enttäuscht, unruhig und beruhigt. Enttäuscht, weil ich meine Neugierde erneut nicht stillen konnte; unruhig, weil ich jederzeit einen Angriff aus dem Hinterhalt erwarte und beruhigt, weil ich mich mit den möglicherweise verstörenden Vorkommnissen dort nicht weiter beschäftigen muss.

Es geht ums All. Und ums Internet.

Vielleicht kennen Sie ähnliche Gedanken: Wie groß ist eigentlich das Universum, und was verbirgt sich an seinem Rand? Kann es überhaupt einen Rand haben? Ist es überhaupt intelligent, davon auszugehen, dass es irgendwo endet? Ist es vielleicht unendlich? Oder befinden wir uns alle in einer Art riesigem Aquarium, das in den Händen irgendwelcher riesenhafter Wesen liegt, die mit rational nicht mehr erfassbaren Mitteln die Geschehnisse im All steuern? Ähnlich verhält es sich, so nehme ich an, bestimmt auch mit dem Internet; wie groß ist es? Kann es unendlich viele Daten speichern? Und so ähnlich fühle ich mich auch mit meinen Vermutungen über all das, was hinter dem nächsten Busch versteckt.

Im Laufe meines Lebens – das ja auch nicht unbedingt aus zu wenigen, unerfahrenen Lebensjahren besteht – habe ich zu all dem eine Theorie entwickelt: Ich bin das Zentrum der Welt. Mit meiner hündischen Gerissenheit und mentalen Größe (wo gibt es sonst schon eine anspruchsvolle, bloggende hündische Dame?) übertreffe ich, so glaube ich, alles andere irdische Leben. Der Rest des Universums wird meinen Vorstellungen und Bedürfnissen angepasst. Ich habe auch einige Belege für meine Theorie.

  • Immer wenn ich glaube, der Hunger wird unangenehm, taucht mysteriöserweise Futter auf.
  • Die Wege, auf denen ich gehe, und die ich aus dem Auto heraus sehe, verändern sich nicht. Wenn sie für andere Wesen geschaffen wären, würden sie sich doch deren Bedürfnissen anpassen, oder?
  • Menschen verschwinden. Manchmal tauchen sie auf, dann freue ich mich, und sobald ich sie Leid bin, verschwinden sie einfach. Sie müssen sich dann in einer Parallelwelt befinden, und sobald ich sie vermisse, wieder auftauchen.
  • Wenn ich schlafe, habe ich manchmal Visionen. Von einer perfekten Welt, bestehend aus Fressen, Jagen auf weiten Wiesen, Krauleinheiten und Arturo. Und in dieser Welt bin immer ich die Hauptperson!
  • Ich bin ein Ich. Alle anderen sind ja nur ein Du oder ein Sie.

Wenn ich meine Thorie weiter entwickle, komme ich zu dem Schluss, dass also alles, was sich außerhalb meines Blickfeldes bewegt, nicht existent ist. Es wird sich erst entwickeln, wenn ich es entdecke, und sich entsprechend meiner Erwartungen formen.

Ich hoffe, Sie verfallen nicht allzu häufig in Denkeritis! Rumphilosophieren kann zwar ganz lustig sein, aber manchmal auch zu Größenwahn führen. In diesem Sinne,

Ihre Fritzi.

Tags: , , , , ,

Ein Beitrag von alphanaut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.