Der erste Wuff

5. Mai 2015, 10:54 Uhr Geschrieben von Leave your thoughts

Sie können sich ja gar nicht vorstellen, wie sehr ich diesem Moment entgegengefiebert habe. Nein, wirklich. Endlich ist es Zeit, dass man mal meine Stimme hört! Ich hatte die letzten Tage schon Albträume, und das haben Hunde selten.

Normalerweise träume ich nämlich von Dingen, die Individuen meiner Art so beschäftigen –  weitläufige Sommerwiesen, interessanten Tierchen hinterherhetzen (nein, nein – nicht, wie Sie jetzt denken: ich bin zwar rassebedingt ein Jäger, aber meine Beute lasse ich dann doch immer entkommen, wenn auch nicht unbedingt freiwillig),… sowas in der Art. Jedenfalls war es allerhöchste Zeit, dass mal jemand auf die Idee kommt, dass meine Ansichten über den Büroalltag mal Gehör finden und so sitze ich hier und haue das erste Mal in meinem Leben die Pfoten in die Tasten. Was ein Spaß!

Fritzi in Bönen

Aber zunächst möchte ich mich vorstellen, wie unhöflich von mir, Sie solange im Ungewissen zu lassen! Gestatten, mein Name ist Fritzi, und ich bin eine 11-jährige frühgreise Hundedame mit Wohnsitz in einem Büro in Bönen. Nur zeitweise, das muss dazugesagt werden, denn nachts alleine hier zu bleiben gefällt mir ganz und gar nicht. Viel zu verlassen und düster alles. Da nehme ich lieber die weite Reise ins Sauerland auf mich, um bei meinen Menschen bleiben zu können.

Ich fühle mich ja gerade ganz böse triumphierend, denn so gern ich Schoßhund bin, so sehr entzürnte mich bisher die Tatsache, dass niemand mein großes schreiberisches Talent erkannt hat! Ich wurde zeitweilen ganz behäbig, so sehr drückte diese Ignoranz auf mein Gemüt. Schaftrunkene Tage im Körbchen können zwar ganz nett sein, aber Sie können sich sicher vorstellen, dass ich immer hoffte, endlich mal ins Geschehen eingreifen zu können. Denn meine Ansicht der Dinge ist eminent wichtig! Wenn ich eine Stimme hätte, würde ich regelmäßig eingreifen und die ein oder andere Mistidee mal so richtig zerreißen – so verlasse ich mich auf meine beruhigenden und zuweilen telepathischen Fähigkeiten, die meist in Arbeitspausen in kleinen Kuscheleinheiten zum Einsatz kommen. Wobei ich immer noch nicht weiß, ob letztere funktionieren.

So war es mir bis heute lediglich vergönnt, meinen Unmut über nicht ganz ideale Entscheidungen durch angesäuertes Knurren von meinem (manchmal viel zu ungemütlichen – Kissen verschieben und quer durch das Büro zerren ist eine meiner Spezialitäten) Schlafplätzchen kundzutun. Ein ziemlich missverständliches Unterfangen. Manche interpretieren das als „generellen Unmut“, „Langeweile“ oder sonst einen Unsinn. Merken Sie sich folgendes: Hunde sind nicht gelangweilt, sie entspannen! Und mit der Hoffnung auf Wiedererlangung des Zustads „Entspannung“ verbleibe ich – noch immer aufgeregt wie ein Flitzebogen – Ihre Fritzi.

Tags: , ,

Ein Beitrag von alphanaut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.